90 Jahre Postsport in Halle!
90 Jahre Postsport in Halle!
PostTurnSportverein Halle e.V.
PostTurnSportverein Halle e.V.

Geschichte des Postsports

Die Postsportbewegung in Deutschland reicht jedoch bis in das Jahr 1924 zurück. Die Vorgeschichte lag in der so genannten Industriestaffel, welche der Oberbürgermeister von Berlin anregte. Ein sportlicher Wettkampf um den goldenen Kranz von Berlin, und zwar eine gemischte Staffel aus Kurz-, Mittel-, Langstreckenläufern, Schwimmern, Ruderern und Radfahrern. Die Postverwaltung Berlin unterstütze schon damals in großzügiger und unkonventioneller Weise den Sport. In kürzester Zeit waren nicht nur 4 x 20 Postler so trainiert und begeistert worden, dass der Staffelsieg erobert wurde, sondern die Begeisterung setzte sich fort und führte letztlich zur Gründung des Postsportvereines Berlin, des ersten deutschen Postsportvereins. Am 26.09.1924 schlug in Berlin die Geburtsstunde des Postsports in Deutschland. Offenbar bedurfte es nur dieses Anstoßes, um eine Welle von Vereinsgründungen der Postsportler überall im Reich auszulösen. Ziel der Postsportvereine war es, durch Sport zur Gesunderhaltung des Postpersonals beizutragen.

Es kamen die Jahre ab 1933 mit der zwangsweisen Eingliederung des Sports in den "Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen". Es war die Zeit in der die Tätigkeit der Postsportvereine in eine "Postsportbewegung" umfunktioniert werden sollte. Wo dann in Massensportveranstaltungen, die nun Kundgebungen hießen, die Zuschauer darüber aufgeklärt wurden, dass der deutsche Mensch durch Leibesübungen an Leib und Seele gestärkt werden müsse. Für den Postsport entstand in dieser Zeit eine Reihe hervorragender Sportanlagen.

In Halle gehen die Traditionen des Postsportes bis in das Jahr 1926 zurück. Am 23.06.1926 soll der Postsport- und Turnverein Halle e.V. (PTSV) gegründet worden sein. Daraus entwickelte sich 1928 der Postsportverein Halle (PSV) und 1934 die Postsportgemeinschaft Halle (PSH). Bereits 1930 hatte dieser Verein 473 Mitglieder. Die Sportanlagen befanden sich am Galgenberg, dem heutigen Sportplatz des Polizeisportvereins. Es liegen heute keine Unterlagen mehr vor, die aus dieser Zeit über den Postsport in Halle berichten. Mit dem Ende des zweiten Weltkrieges war es, wie überall, auch in Halle mit dem Postsport erst einmal vorbei.

Schwer war es für die Frauen und Männer, die nach dem Kriege mühsam begannen, die sportfreudigen Postler zu sammeln. In der DDR hatten sich mit staatlicher Förderung Betriebssportgemeinschaften Post gebildet, die sich jedoch nicht als Nachfolgerinnen früherer Postsportvereine verstanden. Auch der Postsport wurde staatlich gelenkt. Die Deutsche Post fungierte als Trägerbetrieb der BSG Post und war für deren Anleitung verantwortlich. Regelmäßig musste berichtet werden, wie der Beschluss des Staatsrates der DDR über die "Aufgaben der Körperkultur und Sports bei der Gestaltung des entwickelten gesellschaftlichen Systems des Sozialismus" umgesetzt wurde. Aufgabe der BSG war es auch, für die Bürger in den Wohngebieten Sportangebote zu unterbreiten. In dieser Zeit wurde viel für die Erhaltung der Sportanlagen und Förderung

des Betriebs- und Volkssports getan. Im Jahre 1957 musste die BSG Post die gesamte, größtenteils in Eigenleistungen der Postler aufgebaute Sportanlage am Galgenberg abgeben. Die Sportplatzanlagen an der Grenzstraße wurden übernommen und bis 1972 ausgebaut. Es entstanden noch Hartplätze, ein Volleyballplatz, ein Schießplatz, ein Sportlerheim und eine Kegelbahn. Auch damals streckte die Stadt Halle erneut die Hände aus, um auf diesem Gelände zweckfremde Objekte zu errichten. Aus dem Gedanken zur Entwicklung der Sportanlagen der BSG Post Halle zu einem Sport- und Kulturzentrum der Deutschen Post ist leider bis heute nichts geworden.

Am 18. März 1949 ist die Geburtsstunde der Betriebssportgemeinschaft Post Halle (BSG Post Halle), welche laut Statut als Vorläufer des heutigen Vereines gilt. Erster Vereinsvorsitzender war Sportfreund Georg Obst. In den Jahren 1950-1951 folgte der Sportfreund Reinhold Storbeck und danach Gerhard Striesenow. Lange Jahre führte der unvergessene Sportfreund Heinz Tröster den Postsportverein als Vorsitzender.

Die Fußballspieler kamen von der SG Moritzburg. Die Sektionen Schach und Kegeln wurden aus den Betriebsmannschaften des Hauptpostamtes gebildet. Außerdem gab es die Sektionen Turnen, Hockey, Skilaufen, Faustball, Kanu, Leichtathletik, und Handball. Heute sind noch ca. 20 Sportsfreunde im Verein tätig, die schon bei der Gründung dabei waren. Höhepunkte für alle waren die zentralen Spartakiaden und Meisterschaften der Postsportvereine, an denen Tausende Postler beteiligt waren. Hier wurden die besten Mannschaften und Einzelsieger innerhalb der Deutschen Post ermittelt. In Halle fanden Bezirkssportfeste und Bezirksausscheide der Deutschen Post in einzelnen Disziplinen statt. Die Ämter der Deutschen Post führten regelmäßig auf den Sportanlagen der BSG Post Betriebssportfeste durch.

Leistungsträger im Handball über viele Jahre war die 1. Frauenmannschaft. 1952 Aufstieg in die Bezirksliga, 1957 Aufstieg in die DDR-Liga, 1958 Pokalsieger im Handball. Schon damals wurden innerdeutsche sportliche Kontakte u.a.. mit dem VfB Lübeck, Viktoria Hamburg, Bad Schwartau oder Eintracht Braunschweig gepflegt. Auch die freundschaftlichen Kontakte mit den Handballspielern aus der Wojewodschaft Katowice leben in der Erinnerung. 1965 schliefen leider die alten Handballtraditionen ein. Wie meistens lagen die Gründe in der Besetzung eines Trainer- oder Übungsleiterpostens.

Im Fußball wurde sehr viel für die Entwicklung des Kinder- und Jugendsports getan. Viele Jahre gab es eine leistungsfähige Nachwuchsabteilung. Aus dieser gingen solche Sportler wie Jens Helling (HFC), Jörg Stübner (Dynamo Dresden), Silvio Meißner (Arminia Bielefeld) hervor.

 

Die Skisparte war bis 1958 sehr aktiv. Sie trainierte an den Wochenenden in Schierke. Übernachtet wurde in einer Forsthütte. Zum Heizen brachte jeder Sportler 3 bis 4 Kohlensteine mit. Mit Errichtung von Sperrgebieten wurde es immer schwieriger in Schierke einzureisen.. In dieser Zeit kam auch der Sportverkehr mit dem westlichen Deutschland völlig zum Erliegen.

Internationale Kontakte wurden jetzt vor allem mit befreundeten östlichen Ländern geknüpft. Erwähnenswert sind die langjährigen Kontakte zur Wojewodschaft Katowice, Hardec Kralove, Usti, Budapest und Bratislava.

Am 8.11.1989 fiel die Mauer. Schon vor dem Termin der Wiedervereinigung am 3.10.1990 lebten die Kontakte der Postsportler wieder auf. Besonders enge Kontakte gab es mit Post Karlsruhe und Kreiensen. Neben durchgeführter Erfahrungsaustausche erhielt der Post SV Halle auch materielle Hilfe. Der Post SV Karlsruhe stellte einen Kleinbus bereit. Die Faustballer führten Präsentationswettkämpfe in Halle durch. Aber auch andere Sektionen knüpften innerdeutsche Kontakte. Die Fußballspieler beispielsweise mit Interliner Nürnberg, VfB Lehre, Bunterbock, Hamburg, Wolfsburg, die Schachspieler mit Halle(Westfalen), die Volleyballspieler und Turner mit dem SV Spaichingen, die Tennisspieler mit Sylt. Diese Beispiele zeigen, dass der Sport bei zwischenmenschlichen Beziehungen eher Brücken zu schlagen vermag als die Politik und somit eine hohe gesellschaftliche Bedeutung hat.

Die politische Wende hat aber auch das Leben im Postsportverein Halle grundlegend verändert. Aus der BSG Post wurde am 15. Juni 1990 der gemeinnützige Verein "Postsportverein Halle e.V. " In einer Presseinformation schrieb der damalige Vereinsvorsitzende Hans-Georg Neuenfeldt: " Der Verein mit seinen etwa 900 Mitgliedern in zwölf Sektionen kämpft ums Überleben, denn bis zum 30.Juni zahlt die Bundespost noch, dann beginnt die Eigenfinanzierung". Beiträge und öffentliche Zuwendungen waren wieder zur wichtigsten Finanzierungsquelle geworden. Bei diesem Überlebenskampf ist es bis heute geblieben.

Seit dem 20.03.1991 ist der Post SV Halle Mitglied der Arbeitsgemeinschaft der Postsportvereine Deutschlands (APV). Dieser Beitritt war ein historischer Augenblick, weil damit offiziell die Vereinigung des Postsportes in Deutschland vollzogen wurde. Bereits im August 1990 bildeten die Postsportvereine Ost einen Arbeitsausschuss, dem die Vorsitzenden der Post SV Berlin, Rostock, Magdeburg, Erfurt, Potsdam und Halle angehörten. Der Arbeitsausschuss knüpfte Kontakte zur APV und erarbeitete Leitsätze, nach denen die Post SV Ost ihre ersten Gehversuche auf dem Gebiet der Gemeinnützigkeit und der Organisation des Vereinslebens machte. Vom 10. bis 12. April 1991 fand in Bad Kissingen die erste gemeinsame Mitgliederversammlung der APV unter Beteiligung der neuen Bundesländer statt. Der Post SV Halle wurde vom damaligen Vorsitzenden Hans-Georg Neuenfeldt vertreten. Mittlerweile gab es in Deutschland rund 380 Postsportvereine mit etwa 205000 Mitgliedern.

Große Sorgen bereiteten die Selbstverwaltung des Postsportvereines Vereins ohne Eigenkapital und Erfahrung. Die Deutsche Post zog sich als Trägerbetrieb systematisch zurück. Die Sportanlagen waren zum großen Teil marode. Teile des Sportplatzes wurden zum Bau einer Telefonzentrale der Deutschen Telekom AG und einer Zustellbasis der Deutschen Post AG verwendet. Noch heute sind gerichtlich Eigentumsfragen zu klären. Vom ersten Tag der Wende mussten die Postsportler für die Erhaltung Ihrer Sportanlagen selbst sorgen. Lange Zeit war die Weiternutzung des Postsportplatzes in der Grenzstraße 20 gefährdet, weil es keinen Nutzungsvertrag gab. Durch Eigeninitiative und ABM-Kräften konnte der Postsportplatz bis heute erhalten werden.

Mit Hilfe von Lottomitteln wurden die Tennisanlagen auf dem Galgenberg saniert. Am Abgrund stand der Verein als 1996 unerwartet der Vereinsvorsitzende Hans-Georg Neuenfeldt verstarb. Der damals gefundene "Übergangsvorstand" ist bis heute tätig.

Die Turnerinnen und Turner des Post SV Halle sind eine bekannte Größe in Halle und ganz Ostdeutschland. Die Turngrazien und Haudegen mit dem unvergessenen "Turnvater von Halle" Fritz Grüning an der Spitze, erkämpften mehrfach nationale Mannschaftsmeisterschaften und Pokale. Im April 1969 gelang den Frauen der BSG Post beim Finale um den FDGB-Pokal der große Wurf. Sie schafften in Frankfurt/Oder den Hattrick und durften den Pokal für immer behalten. Die beiden Trainingszentren des Post SV Halle und der BSG Traktor wurden im Post SV Halle vereinigt. Auch die Sportakrobaten fanden ihre Heimstätte in der Sektion Turnen. In dieser Zeit blühten die Turner zur größten Sektion im Post SV Halle auf. Die Sektion Turnen entwickelte sich zum Landesleistungszentrum. Hinzu kamen nach der Wende über hundert Senioren vorwiegend aus den ehemaligen Postbetrieben. Sie betreiben hauptsächlich Gymnastik, Wassergymnastik, Kegeln und Schwimmen. Noch heute sind solche Gründungsmitglieder wie Lieselotte Becker und Helga Lubich aktiv. Viele Frauen betätigen sich verteilt über die ganze Stadt in Gymnastikgruppen. Im September 1990 wurde die legendäre Jahn-Turnhalle Trainingsstätte der Postturner.

Kampfrichter des Post SV leiten das Wettkampfgeschehen beim über die Grenzen bekannten alljährlichen Jahn-Gedenkturnen in Freyburg.

1989 wurde die Sektion Tischtennis neu gegründet. Mit dem Zugang vom Landeslehrwart Achim Reißmann und Michael Ginolas kam mehr Qualität in die Sektion. Jetzt ging es ständig aufwärts. Absoluter Höhepunkt war das Jubiläumsturnier am 1. und 2. Mai 1999 in Halle mit fast 300 Sportlern aus ganz Deutschland.

Neben dem Erhalt traditioneller Sportarten gelang es auch mit der Sektion Karate eine so genannte Trendsportart aufzubauen.

Heute hat der Postsportverein ca. 750 Mitglieder. Noch über die Hälfte aller Mitglieder sind ehemalige Postler. Die Zergliederung der ehemaligen Postbetriebe wirkt sich stark auf die Mitgliederstruktur aus. Folgende Sektionen existieren zur Zeit: Akrobatik, Fußball, Karate, Kegeln, Schach, Senioren, Tischtennis, Tennis, Turnen, Volleyball. Die wichtigsten Sportstätten befinden sich in der Grenzstraße 20, am Galgenberg und in der Jahn-Turnhalle in der Berliner Straße. Außerdem werden viele kommunale Sporthallen genutzt.

Im Jahr des fünfzigjährigen Bestehens des Vereins werden vielfältige Veranstaltungen in den Sektionen durchgeführt. Am 15. Juni fand die Festveranstaltung im Sportlerheim an der Grenzstraße und vom 21.6. bis 26.6.1999 eine Sportwoche statt. Höhepunkt war das Sportfest am 26.06.1999 auf dem Postsportplatz in der Grenzstraße

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PostTurnSportverein Halle e.V.
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